Sailing Sirena

Leinen los !

#1 – 2019 April,  Einwasserung – ein grosser Augenblick für uns

Aktuell

Am Freitag, 12. April wird unser Schiff auf der Shipyard Almira-Parking, nahe am Ostzugang zum Kanal von Korinth, eingewassert. Es verläuft alles reibungslos.

Unter Motor erreichen wir schon bald Isthmia am Ostende des Kanals. Hier entrichten wir 220 Euro und es senkt sich die Brücke weit unter die Wasseroberfläche. Die Fahrt durch den 1893 eröffneten, 3.2 sm langen, 25 m breiten und 6.5 m tiefen Kanal dauert ca. eine Stunde. Es ist sehr eindrücklich, dem ca. 80 m hohen Felseinschnitt entlang nach oben zu schauen.

In Tagesetappen von ca. 30 – 40 sm steuern wir folgende Ziele an:

  • Galaxidhi (hübsches, verschlafenes Hafenstädtchen/Anker)
  • Trizonia (Insel/Gratis-Marina mit alten, verlassenen und abgesunkenen Schiffen/längsseits angelegt)
  • Mesolongion (durch 3 sm langen Kanal erreichbare Ankerbucht/Marina immer noch stillgelegt) 

Mesolongion ist eine quirlige Kleinstadt, die von den nahen Salzgewinnungsbetrieben und vom Tourismus lebt. Hier muss Martin auf die Suche nach Gas gehen, denn das letzte Türkische Gas droht auszugehen. Zuerst Petros, dann Christos, zwei sehr hilfsbereite, pensionierte Herren fahren ihn kreuz und quer durch das Städtchen, bis schlussendlich eine Griechische 12.5 kg-Flasche und ein dazu passender Griechischer Regler gekauft sind (Dauer 2h).

Tags zuvor passierten wir die 2004 fertiggestellte 2.252 km lange Rion-Brücke. Dies ist die längste Stahlseil-Brücke der Welt und hat zwischen den vier Masten drei 560 m-breite Durchfahrts-Kanäle, welche 25 m – 45 m Durchfahrtshöhe zulassen. Der mittlere Kanal ist für die Berufsschifffahrt bestimmt, die äusseren für die Freizeitschiffe. Die Durchfahrtserlaubnis holt man sich über Funk.

So gelangen wir in den Golf von Patras und damit ins Ionische Meer.

Diesen Landstreifen kennt Martin von Gleitschirmflügen im Jahr 2009 mit Blick auf die Rion-Brücke und die Salzfelder von Mesolongion.

In diesen Tagen nehmen wir unseren Watermaker (Whisper 60) in Betrieb: Er liefert 60 L reines Trinkwasser pro Stunde in einen separaten Tank mit Überlauf in die Schiffs-Wassertanks. Dieses Trinkwasser kann in der Küche über einen separaten Hahn entnommen werden. Dadurch entfällt das lästige Heranschleppen von Trinkwasser in PET-Flaschen, was Umwelt und Muskeln schont.

2019/April/12.-17. – total 5d – Sonne/Regen 2d/3d – Tagelänge 13h – Luft 20°C/8°C – Wasser 15°C               

Log: Total/Segel/Motor 107sm/7sm/100sm – Wind/Richtung 0-10kn/ drehend

Rückblick

2018: Türkei- Vorbereitungen- Ägäis- Sardonischer Golf- Ausrüsten-Almira Shipyard

Ende 2017 kauften wir unseren Katamaran SIRENA in Turgutreis (Südwest-Türkei  Nähe Bodrum) und richteten das Schiff für’s Erste ein: Solaranlage, Zeltverkleidung für Cockpit und Steuerstand, Revision Generator …

Im Frühling 2018 legten wir nach Süden los: Golf von Gökova– und Hisarönü-GolfHalbinsel Datca. Die Türkischen Gewässer verliessen wir Richtung der Griechischen Insel Symi. Unglücklicherweise verloren wir im Stadthafen einen Propeller, der schliesslich in Kos, wo das Schiff bis Mitte Juli stationiert war, ersetzt wurde.

Im Sommer segelten wir ab Kos nach Norden bis Patmos und Lipsi, um die Ägäis über LevitaAmorgosParos und Milos zu überqueren. Der Ostpeloponnesischen Küste folgend erreichten wir den Sardischen Golf, an dessen Westende das Schiff für die Winterpause 2018/19 ausgewassert wurde. Wegen schlechten Wetters entstanden an den Rümpfen einige Schäden, welche durch die Shipyard anstandslos repariert wurden.

Vor dem endgültigen „Leinen los“ verbrachten wir im Frühling 2019 nochmals vier Wochen auf der Almira Shipyard, um letzte Ausbau-, Revisions-, Service- und Beschaffungsarbeiten vorzunehmen:

  • Einbau eines «Watermakers» (Trinkwasseraufbereitung aus Salzwasser)
  • Einbau einer kleinen Waschmaschine
  • Kauf und Einrichtung eines Wingaker-Segels für die Nutzung der Passatwinde (grosses Vorwindsegel, ähnlich einem Spinnaker)
  • Anbringen von zwei zusätzlichen Bugklampen; alle anderen Klampen wurden verstärkt
  • Dreifarben-Topp-Laterne, Radar-Reflektor (10m2)
  • Anschaffung von zwei zusätzlichen Ankern sowie Verstärkung des Ankerkastens
  • div. Service- und Revisionsarbeiten an Motoren, Generator, Aircondition, Pumpen, Winschen, Elektronik …
  • Inbetriebnahme diverser Sicherheitsfeatures (E-Pirb, Satellitentelefon, Personal Beacons, Slingline …)

Törnplanung

Mittelmeer – Karibik: das sind tolle Ziele! Nun aber begannen wir mit der detaillierten Planung der Route durch das Mittelmeer. Ebenso machten wir unsere «nähere Umgebung» damit bekannt und wissen jetzt schon, dass wir über mehrere Wochen und Monate immer wieder Familienmitglieder, Freunde, Bekannte und Segelinteressierte an Bord haben werden. Schliesslich ist unser Schiff ja mit zwei Doppel-Gästekabinen ausgestattet.

Bleibende Eindrücke

Die Türkei hat uns mit einer tollen grünen Küsten-Landschaft, freundlichen und korrekten Menschen sowie einem guten Preis/Leistungsverhältnis überrascht.  

Die Ägäis empfing uns mit dem berüchtigten Meltemi (starker, sommerlicher Nordwind), dem man aber oftmals geschickt ausweichen kann. Wunderschöne, unberührte Ankerbuchten, traumhafte Dörfer und kulturelle Schätze begeisterten uns. 

Nautisch ist das Gebiet noch zurückhaltend ausgebaut. Es gibt wenige Marinas. Man ankert vorwiegend in Buchten oder macht in einem kleinen Stadthafen unter Buganker mit Heckleinen am Stadtquai fest. 

Auf den Punkt gebracht

  • Vom Sesshaften zum Bewegten– so könnte das Motto des letzten Jahres heissen: Du hast weniger «Materielles» mit Bezug zur Vergangenheit – der Fokus liegt eher beim Aktuellen und Bevorstehenden.
  • Wind – Wetter – Schiff, Land und Leute– diese Faktoren beeinflussen das tägliche Handeln und die Gestaltung der unmittelbaren Zukunft.
  • Flexibilität als Kernkompetenz– ohne grosse Flexibilität kommt man nicht über die Runden: Wenn etwas abgemacht ist, müssen wir stets nachhaken; wenn die Wetterprognose derzeit so lautet, kann das aktuelle und lokale Wetter durchaus markant abweichen; wenn die Sandbank auf der Seekarte hier eingetragen ist, befindet sie sich durch Strömung und Welle aktuell ein Stück weiter drüben …

Aussichten                  

Wir freuen uns auf den Aufbruch und die Durchquerung des Kanals von Korinth und damit auf Griechenlands Westen: Golf von Korinth, Golf von Patras, Rion-Brücke und die Inselwelt des Ionischen Meeres.

2018/April 26. – May 4. und Juli 16. – August 16. – total 41 (9 + 32) d – Log: Total/Segel/Motor 719sm

16.4.2019_Martin Lutz/Marlies Gäumann