Sailing Sirena

Kleine Antillen: südwärts nach Grenada

#8 – Mission completed – Grenada erreicht – Schweiz wir kommen!

So haben wir uns das nicht vorgestellt – und trotzdem: Immer wieder «high lights». Am nördlichsten Punkt unserer Reise, in den BVI’s beginnt es sich abzuzeichnen, dass Corona in die Karibik überspringt und unseren Törn nach Süden beeinflussen würde. Es gilt, sich für alle Fälle zu rüsten: Lebensmittel, Wasser, Treibstoff und Bargeld organisieren, das richtige Wetterfenster packen und ab die Post nach Süden.

Mitte März segeln wir südwärts entlang der westlich von Antigua liegenden Insel-Kette: Saba, Sint Eustatius nach Saint Christoper (auch Kitts genannt). Letzten Freitag haben hier die letzten Kreuzfahrtschiffe abgelegt – der Betrieb in der Hauptstadt Basseterre steht nun still und die Menschen wirken traurig. Man sieht auf den Strassen die ersten Leute mit Gesichtsmasken.

Wie bereits im letzten Bericht erwähnt, rauschen wir nach Antigua – und es sollte der richtige Entscheid sein!

Antigua 2 (17.3.- 23.5. – 10 Wochen!) 

Dieses Land lässt momentan noch Yachten rein, während sie auf den Französischen Inseln Guadeloupe und Martiniquebereits nicht mehr eingelassen, sondern vertrieben werden! Wir entscheiden uns für Antigua. Eine Tagesfahrt in Richtung Ost führt uns direkt nach Jolly Harbour, wo wir uns erstmal ausruhen und mental auf’s Kommende einstellen. Und so verbrachten wir die 10 Wochen:

17.3.    Ankunft in Jolly Harbour (Antigua)

18.3.    nach St. John zum Einklarieren und zur Gesundheitsbefragung

            wieder zurück nach Jolly: Mareike getroffen, einkaufen, warten

25.3.    Jolly Harbour – Falmouth

26.3.    Falmouth – Nonsuch Bay

29.3.    verholt nach Ricket Harbour

30.3.    Gemma, eine Angestellte flüchtet vom Nachbarschiff und schwimmt zu uns

2.4.      Curfew 1. Woche

7.4.      Curfew 2. Woche

8.4.      Einkauf durch Konstantin

21.4.    Ricket Harbour – Falmouth

29.4.    Falmouth – Carlisle Bay

6.5.      Carlisle Bay – Jolly Harbour (Einkauf und Bunkern für 4 Wochen)

8.5.      Jolly Harbour – Carlisle Bay

9.5.      Carlisle Bay – Freeman Bay in English Harbour

23.5.    Aufbruch in Richtung Guadeloupe/Grenada

Situation in Grenada

  1. Anfrage an Jana Caniga* vom 14. April (*Konsularin der Schweiz in Grenada): 

SWISS Catamaran SIRENA, planned for Haulout at GRENADA-MARINA by mid JUNE 2020

Nun sind wir gemeinsam seit einem Jahr auf unserem Katamaran unterwegs: Start in Korinthen/GR – Mittelmeer westwärts – Atlantik-Überquerung mit ARC+ und Antillen-Törn bis BVI, von wo aus wir „Corona-bedingt“ Mitte März einigermassen „fluchtartig“ via Kitts nach Antigua gesegelt sind.

Zum Glück – hier in der Nonsuch-Bay herrscht in schönster Landschaft ein friedlicher „Curfew“-Betrieb und man kann sich sogar Lebensmittel bringen lassen.

PLAN:

Auf Mitte Juni haben wir vertraglich einen Haulout-Termin mit der GRENADA-MARINA.

Wir sind in Kontakt mit MAYAG/GRENADA LIMA. Anschliessend ist der Rückflug in die Schweiz geplant.

FRAGE:

Können wir als Schweizer unter Schweizer Flagge einklarieren auf den Antilleninsel-Staaten: Guadeloupe/Martinique (F), Dominica, St. Lucia, Saint Vincent and the Grenadines und Grenada?

Wie sind/entwickeln sich derzeit die Einreiseperspektiven und -Bedingungen für Schweizer Yachten?

Wie sind die Perspektiven für die Törngestaltung in Richtung Grenada- es sind doch ca. 300 nautische Meilen bis dahin?

Danke für weiterführende Infos

Liebe Grüsse ins Phare Bleu nach Grenada

Martin Lutz

Marlies Gäumann

2. MAYAG-Initiative zur Aufnahme der Yachten in Grenada (trotz geschlossener Grenze)

Diese Unternehmergemeinschaft arbeitet mit der Regierung ein Programm (protocolls) aus, um Yachten/Crews, die für den Hurricane-Haulout nach Grenada gebucht sind, via koordinierter Quarantäne- und Corona-Test die Einreise trotz geschlossener Grenze zu ermöglichen.

Wir melden uns schon früh für dieses Programm und bekommen schliesslich die Möglichkeit, den erstmöglichen Slot vom 27.5. – 10.6. zu buchen.

Reise von Antigua nach Grenada

Somit planen wir die 300nm-Fahrt nach Grenad. Via Anfragen/Gesuche können wir erwirken, dass wir in Guadeloupeund Martinique je eine Nacht unter Q-Flagge (ohne Landkontakt) ankern dürfen. Somit gibt es drei Etappen (60nm und zweimal ca. 120nm) also eine Tagesetappe und zwei 24h-Etappen, dazwischen eine Nacht vor Anker (Martinique).

23.5.    Um 6 Uhr ziehen wir den Anker in der Freeman-Bay hoch und segeln bei ansprechendem Wind Richtung Guadeloupe

            Um 16 Uhr fällt der Anker in der Anse de Malandure, am Rande des Jacques-Cousteau- Nationalparks.

24.5.    Das Meeresleben ist hier sehr reichhaltig. Bereits in der Bucht von Malandure bieten uns eine Delfinmutter mit Jungem die perfekte, stundenlange Show: Sie drehen pausenlos Runden im Ankerfeld und lassen sich durch die Schnorchler nicht stören – ändern nur hie und da den Kurs ein wenig, um anschliessend wieder dieselben Runden zu drehen.

            Danach fahren wir mit dem Dinghi zu den Îlets a Goyaves, den eigentlichen Tauchgründen.

            Wir sind fasziniert von der reichhaltigen und farbenprächtigen Unterwasserwelt.

            Um 13 Uhr können wir starten und legen gleich los Richtung Südende von Guadeloupe. Wie in Zeitlupe ziehen alle Buchten und Hügel, Dörfer und Städte an uns vorbei, wie wir es von der Fahrt nordwärts kennen. 

            In der Nacht treibt es uns in der Lücke zwischen Guadeloupe und Dominica immer weiter nach Westen: der starke Ostwind und eine Grundströmung von 1-2 Knoten aus Osten verunmöglichen es, den Kurs unter Segel genügend nach Südosten Richtung Grenada halten zu können.

25.5.    Nachts herrscht dann totale Flaute. Plötzlich setzt der starke Passatwind wieder ein – wir müssen dringend nach Osten halten können, ansonsten «schrammen» wir an Grenada vorbei! Venezuela liegt 80nm südlicher, zurzeit keine tolle Aussicht!

            Das heisst, dass wir hart händisch unter Steuerbordmotor-Unterstützung 30° am Wind segeln, ohne Autopilot, denn dieser ist zu schwach und lässt das Schiff dauernd aus dem Ruder laufen. Das gilt für die ganze Nacht und den folgenden Tag. Wir steuern jetzt aus             Konzentrationsgründen im Stundentakt – en cheibe Chrampf!

26.5.    Wie es heller wird, lässt die Strömung etwas nach, der Wind dreht und die Welle in der Abschattung von Grenada wird flacher. Wir können den Kurs auf die Südspitze von Grenada halten. Wow – Erleichterung macht sich breit auf der SIRENA !!! Um 11.27 Uhr legen wir den Anker in der St. Martins-Bay vor St. Georges am Rande des Quarantänefeldes auf den             Meeresgrund.

Grenada

27.5. – 9.6.

            Das Ankerfeld füllt sich nun immer mehr, bis rund 80 Schiffe da sind – spannend ist, wer wo und mit welchem Schwojkreis ankert. Der Ankergrund gilt hier nicht als gut – also wird es im dichten Feld nicht allzu angenehm sein, wenn die Gefahr des Anker Ausreissens gegeben ist.             Wir fühlen uns am Rande des Feldes sicher und können manch wunderbaren Sonnenuntergang geniessen. Morgens und abends gibt es Funkrunden, bei denen man erfährt, wer wann und von wo angesegelt gekommen ist. Lokale Händler bieten via Funk ihre Produkte an, die man im Internet bestellen und später am Quarantänesteg (eine Person pro     Dinghi) abholen kann. Einmal gibt es eine Charity-Bingonacht. Es läuft nach Britischem Protokoll über Funk – du kannst auf den per Internetlink erhaltenen Karten die aufgerufenen Zahlen abkreuzen und per Funk «line» oder «full-house» rufen, sobald eine Linie oder eine ganze Karte abgestrichen ist. 

            Tagsüber fallen viele Arbeiten auf dem Schiff an, die für den Haulout und die Zeit des Trockendocks nötig sind, jeden Tag packen wir etwas Neues an. Es macht Freue zu sehen, wie das Schiff in immer neuerem Glanz erstrahlt! 

            Nur jemand vermiest uns unsere tägliche Freude: der Super-Spreader auf dem Mast-Topp! Da oben hat nämlich eine «Scheiss-Möwe» Quartier bezogen und «kackt» mehrmals täglich runter! Je nach Windrichtung und -Stärke trifft es die Polster, das Deck, das Dinghi         oder das Teak – SUPER – täglich mehrmals diese verkrusteten weiss-grauen Haufen   wegputzen – so haben wir uns die Quarantäne wahrlich nicht vorgestellt!!!

9.6.      Heute können die Besatzungen der Schiffe mit den Anfangsbuchstaben A-O (Schiffsname) zum Gesundheitstest, dessen «Negativ»-Ergebnis nach Mitteilung am Folgetag zum definitiven Einklarieren in Grenada. SIRENAs Besatzung kommt am Mittwoch, 10. Juni dran.

10.6.    Mit einem Rapid-Test (Ergebnis negativ) können wir schliesslich offiziell ins Land einreisen.

Wir decken uns mit Lebensmitteln ein. Nach zwei Tagen wechseln wir in die Hartman-Bay. Hier treffen wir Chris und Crystal. Anderntags machen wir uns auf, um durch die Riffe und gegen die Atlantischen Wellen nach St. Davids Harbourzu motoren. Dort liegt die Grenada-Marine inmitten des Küsten-Jungels.

Am Mittwoch, 17. Juni wird SIRENA aus dem Wasser gehoben und auf die Sommermonate vorbereitet, während derer sie die Hurricane-Saison an den Boden gezurrt verbringen wird.

Wir nehmen uns ein Studio im Seabreaze-Hotel an der Grand Anse und mieten uns einen Toyota RV4, einerseits um in den verbleibenden zwei Wochen bis zur Heimreise den Weg von St. Georges zur Grenada Marine zurück zu legen, andererseits um uns die Insel Grenada anzuschauen.

Am Mittwoch, 1. Juli verabschieden wir uns von unserer treuen SIRENA.

Heimreise

Die Heimreise am 2. Juli beginnt mit dem Taxiflug im 6-Plätzer der Airawak (Britten-Norman BN2)

von Grenada nach Martinique (270km/1.5h). Über der Landthermik schüttelt die Maschine gewaltig, über Wasser verläuft der Flug ruhiger. Wegen der Bewölkung können wir nur einmal Land erblicken: Rodney-Bay in St. Lucia. Bei der Ankunft in Martinique atmen wir auf, weil wir «französischen» Boden unter den Füssen haben und der Rückflug mit Air France via Paris CHD nach Zürich erwartungsgemäss reibungslos verläuft. Etwas gewöhnungsbedürftig sind das Maske-tragen auf der langen Flugreise sowie die Tatsache, dass das Frühstück wegen Covid 19 gestrichen wird!?!

Airawak https://www.airawak.com/flotte  

Taxiflug ab Grenada http://www.youtube.com/watch?v=d501hNsxn5Y

bleibende Eindrücke

  • die «friedliche» Zeit des Lockdowns mit «entschleunigender» Wirkung
  • ungestillte Sehnsucht nach entdeckendem Reisen (Natur/Kultur): wir verpassen die herrliche Inselwelt von St. Vincent & the Grenadines (Tobago-Keys …) sowie von Grenada (Carriacou)
  • fehlende Begegnungen mit den entspannten und freundlichen Menschen und deren Karibischer Kultur; alles läuft hastig und zurückhaltend ab
  • die abenteuerliche Überfahrt von Antigua nach Grenada: wenig Passat-Windschatten, Flauten und bald wieder voller Wind und grosse Atlantische Wellen, kräftige Wasser-Strömung nach West
  • heiss-feuchtes, bald erdrückendes Tropen-Klima – Rettung bieten nur Wind/Schatten oder Aircondition
  • Ungewissheit bezüglich des Einreise-Procederes mit MAYAG nach Grenada
  • Ungewissheit bezüglich der Rückreise wegen geschlossener Grenzen, drohender Quarantänen, sowie der gegroundeten und Konkurs gegangenen Fluggesellschaft «LIAT»

Aussichten: Fragen über Fragen

Wie verläuft die Corona-Pandemie in der Schweiz und weltweit, insbesondere in der Karibik

Wie verläuft die bevorstehende Hurrikane-Saison in der Karibik?

Welche Auswirkung hat die monatelange Trockendock-Lagerung bei unserem Katamaran?

Wie wirken sich Hurrikanesaison und Corona auf unsere sommerlichen Pläne in der Schweiz und auf unsere weiteren Segel- und Reisepläne aus?

Zum Schluss

Wir erreichen die Schweiz/Europa planmässig am 3. Juli 2020 und sind erleichtert und gespannt zugleich. Gleichentags übernehmen wir in Oberdürnten (ZH) unser «Tinyhouse», eine 3.5-Zi-Maisonette-Wohnung, wo wir uns schnell und bestens einleben.

Somit ist unsere Reise vorderhand unterbrochen und wir beobachten, wie sich die Covid-Lage in der Karibik und allgemein für’s Reisen entwickelt.

Wir freuen uns riesig auf die bevorstehenden Besuche und Begegnungen mit euch allen!

Händ Sorg – liebe Grüsse aus Oberdürnten – Martin und Marlies

Zusammenfassung

2020/März 23. – 2020/Juli 3. – total 103d – Log: Total/Segel/Motor 344sm

Gesamt-Zusammenfassung seit 26. April 2018 (Türkei/Griechenland)

#1 Türkische Südküste/Ägäis                     2018/April 26. – May 4. und Juli 16. – August 16. – total 41 (9 + 32) d – Log: Total/Segel/Motor 719sm

#2 Griechenland: Ionisches Meer             2019/April 12. – Mai 29. – total 47d – Log: Total/Segel/Motor 472sm

#3 Bella Italia                                                   2019/Juni 07. – Juli 20. – total 43d – Log: Total/Segel/Motor 982sm

#4 Spanien mit Balearen bis Gibraltar      2019/Juli 21. – Aug. 30. – total 43d – Log: Total/Segel/Motor 982sm

#5 Gibraltar – Madeira – Kanaren             2019/Sep. 01. – Nov.09. – total 70d – Log: Total/Segel/Motor 962sm

#6 Kanaren – Kapverden – Karibik            2019/Nov. 10. – Dez.07. – total 28d – Log: Total/Segel/Motor 3’106nm

#7 Kleine Antillen bis BVI / Corona           2019/Dez. 07. – 2020/März 23. – total 107d – Log: Total/Segel/Motor 990sm

#8 Kl. Antillen – südw.nach Grenada      2020/März 23. – 2020/Juli 3. – total 103d – Log: Total/Segel/Motor 344sm

Total        2018/April 26. – 2020/Juli 3. – total 482d – Log: Total/Segel/Motor 8702sm, Motoren: BB 894h, SB 906h

18.7.2020 Martin Lutz/Marlies Gäumann

1 Jolly Harbour in Antigua
2 geplante Route nach Grenada (ca. 300 nm)
3 Nonsuch Bay (Antigua)
4 Gäste der “Lady Georgina” werden täglich hierher gebracht
5 unter Landleinen in Ricket Harbour (Antigua)
6 Sandbucht in der Nonsuch Bay
7 eigene Masken genäht
8 Chris aus Antigua mit Hund und Frau aus NYC auf seiner Dschunke
9 nahender Squall
10 Freeman Bay bei English Harbour (Antigua)
11 auf der täglichen Wanderung: hier von English Harbour nach Falmouth Harbour
12 Watermaker: schleifen der weissen, zylindrischen Keramik-Platten nach Anweisung
14 Carlisle Bay (Antigua)
13 Starry Horizon von Amy & David; sie haben die Welt mit dieser Helia 44 einmal umrundet
14 Freeman Bay von Shirley Hights her gesehen
15 SIRENA an Landleinen
16 mit SUP zum Ufer übergesetzt
17 Konferenz der Kakteen
18 Pilz im primären Kühlkreislauf
19 kreisende Delfine in der Malendure Bay (Guadeloupe)
20 Mutter und ihr Junges kreisen über eine Stunde im Ankerfeld
21 Ort des Motorschadens
22 Grenada im Visier
23 Winkelhalterung für Dieselfilter BB
24 ausgetauschte ETD
25 tägliche Funkrunde, hier mit Quiz
26 Burgring in Oberdürnten, wo wir eine Wohnung finden
27 im Innern des Burgringes
28 unsere Maisonette-Wohnung (3.5 Zi)
29 Grenada Marine: Haulout SIRENA
30 ziemlich viel Bewuchs zum Abschaben
31 Palme in Sauteurs (Nord-Grenada)
32 Schildkröten-Eiablagen in Levara (Nordost-Grenada)
33 Magazine-Beach (Südwest-Grenada)
34 Restaurant “Aquarium”
35 Sundowner
36 Phare Bleu (ursprünglich von Jana Caniga und Dieter Burkhalter (Wetzikon)
37 unser Hotel mit Studio im 2. OG
38 Good-Bye SIRENA