Sailing Sirena

Ionische Inselwelt: schroffe Gebirgszüge, grüne Küstenstreifen und traumhafte Sandbuchten

# 2 – 2019/Juni          Ionisches Meer ab Mesolongion bis Korfu

Die Ausrüstung für das Leben auf dem Schiff und die Langfahrt mit grossen Ozeanüberquerungen ist praktisch komplett und soll sich erstmals im Ionischen Meer bewähren

Landschaft

Im Kanal von Korinth überkommt uns ein Gefühl von Respekt gegenüber dem ambitionierten Bauwerk des vorletzten Jahrhunderts, das an geschickt gewählter Stelle beim Isthmus von Korinth das Griechische Festland vom Peloponnes trennt.

Der Golf von Korinth wird von teils noch schneebedeckten Bergketten gesäumt. Die Brücke von Rion bildet den Übergang zum Golf von Patras, der ans Ionische Meer grenzt. Es empfängt uns einerseits eine gebirgige Inselwelt mit felsigen Höhenzügen und tief eingeschnittenen Buchten, die Schutz bieten aber auch Fallwinde kanalisieren.

Im Osten ist das Festland gesäumt von Lagunen und Flachgebieten (Mesolongi, NNdri/Vlychobucht, Lefkas, Ambrakischer Golf, Gouvia-Bucht auf Korfu). Immer wieder ragen Gebirgszüge in die Höhe, welche sich in der Ionischen Inselwelt fortsetzen und im Westen in der Adria verlieren.

Mit Trizonia (Golf von Korinth) sind wir erstmals in einem der vielen unfertigen Häfen, wo teils Dutzende von alten Schiffen vor sich hin rotten – ein etwas trauriges Bild! Es fühlt sich jeweils etwas eigenartig an, unsere vierjährige SIRENA neben ein verlassenes, bereits schief im Wasser liegendes Früh-Wrack zu legen. Ob die frisch eingeführte Griechische Bootssteuer Abhilfe leisten wird?

Dokumente, Steuern und Amtsschimmel

Stichwort Bootssteuer. Bereits vor Jahren wurde diese Abgabe für Yachten über 7m angekündigt, mehrmals hinausgeschoben und dann aber in diesem Mai eingeführt. Für uns bedeutete das: Innerhalb von 5 Tagen zwei spezifische Amtsstellen aufzusuchen und zwei Monatsgebühren von je 110 Euro zu bezahlen.

Dabei erleben wir einmal mehr den Griechischen Amtsschimmel (Behörden/Bürokratie). Ähnlich verlief Umgang mit dem «Transitlog» sowie das Ausklarieren aus Griechenland. Es sollte nämlich von der Port-Police des letzten Griechischen Hafens nach Athen gemailt werden. Jedoch fühlte sich niemand zuständig, und so liegt das Dokument immer noch in unserem Kartentisch. Ganz anders sollte es bei den Italienern sein: In den ersten beiden Häfen (Sta. Maria di Leuca und Le Castella) wollte die Guardia Costale kein neues Constituto ausstellen, weil die Schweiz zum Schengen-Raum gehört.

Korfu, eigenständiger Mikrokosmos im Ionischen Meer

Die Landschaft der 585 km2 grossen Insel ist lieblich und mit sattem Grün durchsetzt. Zwei Gebirgszüge durchqueren die Insel. Im Norden bildet der Pantokrator mit seinem Kloster auf 906 m den höchsten Punkt der Insel.

Das Klima ist mild und es weht immer ein Lüftchen. Der Westen ist rauh, im Osten liegen die begehrten Ankerplätze und Häfen.

Korfu, auch Kerkyra genannt, zählt 100’000 Einwohner und wird selbst von Italien (Bari) aus mit Fähren angelaufen. Oft steht mehr als ein Kreuzfahrtschiff im Hafen der Hauptstadt. Sie wird von zwei Festungen aus der Britischen Besatzungszeit geprägt, zwischen denen sich die gut herausgeputzte Altstadt mit vielen historischen Bauten befindet. Bei Ankunft legen wir in der Mandraki Marina, am nördlichen Felsen des östlichen Bollwerkes an: so historisch der Ort, so hoch der Hafenpreis (116 Euro für eine Nacht).

Die Mentalität der Kerkyrer ist international geprägt: Zum mediteranen Griechischen Element gesellen sich die Adriatische und Britische Lebensart. In gewisser Weise gleichen sich Korfu, Malta und Gibraltar: stark befestigte Inselhauptstädte mit Britischer Prägung – strategisch gesprochen sind es drei Flugzeugträger der früheren Kolonialmacht.

Mit unserem Mietauto besichtigen wir den nördlichen Gebirgszug mit dem Pantokrator, dem wir auf zahlreichen Serpentinen steil nach Westen in Richtung Paleokastritsa entkommen. Dies ist ein idyllischer Badeort mit Felsenkloster und einer besonderen mythologischen Bedeutung: Hier wurde Odysseus angespült, als sein Floß durch einen Sturm, verursacht durch den Meeresgott Poseidon, kenterte.

Gut sind wir nicht mit dem Schiff hier! (smile)

Erikoussa zum Abschied

Die Diapontische Inselwelt liegt nördlich von Korfu und ist die nordwestlichste Inselgruppe Griechenlands. Erikoussa ist geprägt durch schroffe Felsen, fruchtbare Täler und zähe aber freundliche Menschen, welche für ihren Lebensunterhalt kämpfen und sämtliche Lebensmittel und Materialien von Korfu herbeifähren müssen. Es wird ein sanfter Ökotourismus betrieben, welcher seit 2014 durch ein EU-Entwicklungsprojekt mitfinanziert wird. Im Sommer leben hier 150 Menschen, im Winter 25. Es gibt keine Schule. Die Kinder müssen nach Korfu.

Der Hafen ist 2018 wesentlich vergrössert worden und wirkt sehr sicher. Hier lassen wir unsere SIRENA für einen einwöchigen Heimurlaub stehen. 

Wetter

Es ist vorwiegend kühl und teils nass, weil diesen Frühsommer mehrere Staffeln von Tiefdruckgebieten durchziehen. Die Tagestemperaturen erreichen ca. 16°-20°C. Das Cockpitzelt ist notwendig, es bewährt sich einmal mehr und bietet zusätzlichen geschützten Lebensraum, ähnlich einem Wintergarten.

Rötlicher Flugsand aus Libyen überzieht den Katamaran mit einer «unschönen» Schicht, welche zusammen mit dem Salzwasser verkrustet. Wir spülen sie in mehreren Etappen ab. Dazu dient eine Teichpumpe, welche wir ins Meereswasser halten. Nur die Fenster müssen mit Süsswasser nachgeputzt werden.

Auch das Wasser bleibt lange kühl, ein erstes Bad bei 18°C nimmt Martin am 13. Mai in der Lakkabucht auf Antipaxos, südlich von Korfu.

Hält er oder hält er nicht – das ist die Frage: In derselben Bucht von Lakka überkommt uns Ankerlieger ein ausgewachsenes Unwetter mit Böenspitzen von über 30 Knoten. Beim Eindunkeln treiben zwei Yachten mit schleifendem Anker quer durch die Bucht. Zum Glück gibt es keine Kollisionen! Die Eigner können grad noch rechtzeitig eingreifen und ihre Anker erneut und sturmsicher ausbringen.

Schiff/Technik

Erstmalig und erfolgreich benutzen wir: 

  • Watermaker, Waschmaschine, Wingaker (Vorwindsegel) und Mantus-Anker

Arbeiten am Schiff: 

  • Rollvorrichtung im Rollmast ersetzen
  • Dinghi-Hochzugseinrichtung an den Davits erneuern, 
  • Yamaha Aussenborder (Gaszug ersetzen, hydraulische Hebevorrichtung reparieren)

Bestellungen und Besorgungen für’s Schiff:

  • Tauwerk: diverse neue Schoten und Fallen
  • Nebelhorn und LED-Schiffsbeleuchtung (für Standard- und Notfallbenutzung)
  • Wetend-Kit für Wasserpumpe der Klimaanlagen an Backbord
  • Verlängerung Notpinne
  • 2 Gasflaschen (Komposit)
  • Gasgrill
  • SUP

Crew

René (Marlies’ Schwager) begleitet uns von Korinth bis Preveza (12.4.-4.5.2019). Wir geniessen Segeln und Bordleben zu dritt – und René ist ein hervorragender Handwerker und Elektriker, was bei den letzten Arbeiten am Schiff sehr hilfreich ist. Herzlichen Dank!

Heimurlaub

Marlies’ Enkel Leandro wird getauft – Martins Sohn David heiratet seine langjährige Verlobte Ursina – Marlies Enkeltochter Luna ist zwei Monate alt

Das gibt uns die Gelegenheit, diese schönen und familiär wertvollen Anlässe gemeinsam mit unseren Familien zu erleben – grossen Dank für die herzlichen Einladungen!

Auf den Punkt gebracht

  • ans Herz gewachsen – Griechenland ist uns mit seiner landschaftlichen Vielfalt und seinen warmherzigen Menschen sehr ans Herz gewachsen und unvergesslich geworden. Somit wird es zu unserer Nautischen Heimat.
  • phantastisches Segelrevier – das Ionische Meer ist lieblich und sehr abwechslungsreich. Die vorgelagerten Inseln trennen es von der raueren Adria.
  • Standards setzen – Auf welchem Niveau sollen die Sicherheitsausrüstung, nautische Ausrüstung, und Wohnungs-Ausstattung sein? Diese Frage stellt sich unweigerlich, wenn man einen solchen Katamaran für eine mehrjährige Weltumsegelung kauft und ausrüstet – wir treffen auf alles Mögliche zwischen Nussschale und Luxus-Yacht.

Aussichten                  

Gespannt sind wir auf die Überfahrt nach Italien, die Strasse von Messina und die Äolischen Inseln.

Windmühlen von Kioni auf Ithaka
erstmals Fisch auf der Sirena: direkt vom Fischer am Steg
Strandräumung auf Meganisi
Das neue Vorwindsegel, der Wingaker, wird das erstmal aufgezogen. Er hat im Mittelbereich eine Eintrittskarte wie beim Gleitschirm. Das gibt dem “Flügel” Auftrieb.
Schiffs-Leichen von Nidri (Lefkada)
“Schiffs-Leichen”, hier in der Vlycho-Bucht, südlich von Nydri (Lefkada)
erster Tag nach Saisonbeginn: Taberna ELENA in der Vlychobucht
Roter Sand vom Südwind aus Libyen hierhin verfrachtet
Flottille im Kanal von Lefkas
Preveza am Eingang zum Ambrakischen Golf
Vonitsa, bei der Kapell-Insel
Kleinst-Fischerboot in Mongonisi im Süden von Paxos
Gaios auf Paxos
Lakka-Bucht im Norden von Paxos
im Hafen von Syvota am Griechischen Festland
Güseltour bei Syvota
Madraki-Marina am Fusse von Korfus östlicher Befestigung
Pantokrator, Korfus höchste Erhebung mit Kloster und Sendemasten
Der neue Hafen von Erikoussa ist sturmsicher.
Akoukouli, der alte Fischerhafen an Erikoussa Westküste
Möwen schlüpfen auf Erikoussa.
Pegasus, das Versorgungsschiff für Erikoussa, ist auch unser Transportmittel nach Korfu.
an der Taufe
Und nun zur Technik: die Rollanlage des Rollgross wird ausgewechselt.
Elektroschema für die neue Mastbeleuchtung samt Horn
Pumpe der Klimaanlage

In Korfu erhältlich: zwei neue Komposit-Gasflaschen. Sie sind nur halb so schwer wie die Stahlflaschen.

2019/April 12. – Mai 29. – total 47d – Log: Total/Segel/Motor 472sm

16.6.2019_Martin Lutz/Marlies Gäumann